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Politische Exkursion nach Mexiko

Die mexikanische Grenzstadt Ciudad Juárez erlangte erstmals durch die systematische Ermordung von Frauen den 1990er Jahren eine traurige Berühmtheit. Vor ein paar Jahren stand der Boomtown als “gefährlichste Stadt der Welt” im Fokus der Medien. Aktuell fällt das Licht der Öffentlichkeit erneut auf Juárez und seine Zwillingsstadt, El Paso, Texas, weil Hunderte aus Mittelamerika geflüchtete Familien hier täglich über die Grenze gehen oder auf Asyl warten.

Weitgehend unbekannt ist, dass Ciudad Juárez sich durch eine enorm vielschichtige und aktive Zivilgesellschaft auzeichnet. Sie basiert u.a. auf dem Engagement der Mütter von verschwundenen und ermordeten Mädchen. Der Einsatz vieler Menschen für Frieden und Gerechtigkeit während der militärischen Besetzung im sogenannten “Drogenkrieg” wurde kaum bekannt. Auch die Arbeit von Organisationen, die diesseits und jenseits der Grenze in direkter Solidarität mit Migrant*innen, Geflüchteten und Abgeschobenen arbeiten, verläuft zumeist im Stillen. Kreative kulturelle und politische Ausdrucksformen wie Hiphop, Street Art und Theater sind in der Grenzstadt mehr als präsent. Denn gesellschaftliche Ausgrenzung, Marginalisierung und Repression existieren in den weit ausgedehnten Vierteln am Rande der Wüste nicht erst seit dem sogenannten “Drogenkrieg”. Erfolgreich haben Kunst- und Stadtteilprojekte seit dem Rückgang der Gewalt öffentliche Räume in kollektiver Weise zurückerobert. Eine Fortsetzung von Militarisierung unter dem neuen, als progressiv geltenden Präsidenten Andres Manuel Lopéz Obrador, genannt AMLO, die Gentrifizierung der Innenstadt und Fracking im direkten Umland sind anstehende Herausforderungen für die Zivilgesellschaft.

 

Eine Auswahl von Initiativen und Aktivist*innen möchten wir durch die Reise näher kennenlernen.

Wir wollen uns damit beschäftigen, wie eine gesellschaftliche Aufarbeitung und ein künstlerischer Umgang mit Ausgrenzung und Gewalterfahrung stattfindet. Wie gehen die Menschen vor Ort im Alltag mit den Problemlagen um, welche individuellen und kollektiven Strategien haben sie entwickelt? Woher nehmen sie die Kraft, sich zivilgesellschaftlich zu engagieren? Welche Träume und Hoffnungen haben Jugendliche in der Region? Wie leben die Menschen im Alltag mit der Grenze und der Mauer? Wie ist die Situation von Migrant*innen auf beiden Seiten der Grenze? Wie sieht die schwul/ lesbisch/ transsexuelle Szene in Ciudad Juárez aus? Welche Lebensrealität hat die indigene Bevölkerung der Grenzregion? Wo steht die Bewegung gegen Frauenmorde?

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